Filmkritik: Bonhoeffer - Die letzte Stufe
Der Film besitzt einen moralischen Anspruch. Den moralischen Anspruch, einen guten Menschen darzustellen - einen Menschen, der aus moralischen, aus guten Motiven handelt, der konsequent nach seinen Richtlinien lebt, der nicht zuerst an sich, sondern an das Wohl der anderen denkt, der sich selbst zurücknimmt, der bereit ist, sein Leben für das Gute zu opfern. Ein Mensch, der ungebrochen scheint, der sich seine Freiheit bis zum letzten Augenblick bewahrt.
Beim internationalen TV-Festival in Monte Carlo wurde der Film über Dietrich Bonhoeffer mit der "Goldenen Nymphe" ausgezeichnet. Die Verbreitung und Veröffentlichung in Deutschland hielt sich in Grenzen. Die Filmproduktion wusste, dass derlei Filme über die Darstellung des Guten in Deutschland nicht mehr so hoch angesehen werden. Die Bedürfnisse der Bevölkerung haben sich geändert. Sie schreit in der heutigen Zeit vielmehr nach Unterhaltung, Spaß oder blutrünstigen Szenen. So wurde der Film von Vorneherein in englischer Sprache gedreht. Das Drehbuch basiert auf historischen Tatsachen und ist auf die authentische Darstellung des Geschehens ausgelegt. Trotzdem wurden natürlich einige Freiheiten in der Umsetzung einberaumt.
Ulrich Tukur, der in dem Film Bonhoeffer verkörpert, vollbringt eine herausragende Leistung. Mehr und mehr verschmilzt er mit dem Charakter der Person und entwickelt auf feinfühlige Art und Weise einen Zugang. Seine Mimik spiegelt glaubhaft die innere Zerrissenheit, in der sich Bonhoeffer befindet. Er befindet sich in einem inneren Konflikt, die im Film nuancenreich entwickelt wird. Soll er dem Widerstand gegen die NS-Führung beitreten? Diese und weitere Fragen muss er für sich im Laufe seines Lebens entscheiden. Durch seine Körperhaltung, das Minenspiel, die Figur, die Tukur gekonnt verkörpert, werden manche Worte überflüssig.
Für diese Leistung hat er sich wahrlich Respekt und Anerkennung verdient.