Ulrich Tukur als Dietrich Bonhoeffer

"Es ist nicht leicht, einen ganzen Film lang einen so guten Menschen zu spielen", äußert Tukur in einem Interview zu seiner Rolle des Dietrich Bonhoeffer in dem Film "Die letzte Stufe", der die letzten sechs Lebensjahre des Theologen und Widerstandskämpfers gegen das Nazi-Regime erzählt. Er hat die Aufgabe allerdings mit Bravour gemeistert. Seine Mimik und Haltung scheinen in den Bildern eins zu werden mit Dietrich Bonhoeffer und manches Mal erscheint sein innere Ausdruck, den er den Rezipienten zu vermitteln vermag, sehr viel deutlicher wie das gesprochene Wort. Er scheint in die Person Bonhoeffers einzutauchen und aus dieser heraus zu sprechen.

Leider bleiben die historischen Verknüpfungen und Zusammenhänge ein um's andere Mal auf der Strecke und hat der Zuschauer nicht das entsprechende Vorwissen über Bonhoeffer, wird er an manchen Stellen mit seinen Fragen alleine gelassen. Warum war Bonhoeffer in New York, warum leistete er einen Eid auf des bestehende Schreckensregime?

Dialoge sind eher spärlich, dafür wirkt das Minenspiel umso stärker, werden die Gefühle, wird die Verzweiflung und die Trostlosigkeit der Augenblicke umso mehr mit Bedeutung belegt.

Die Kameraführung ist, entgegen der sich heute oft in den Vordergrund spielenden künstlerischen Detailtreue, eher langsam und unspektakulär, was der Wirkung des Filmes allerdings keinen Abbruch tut, sondern sie im Gegenteil eher verstärkt.

Entstanden ist kein Film, der zeitgemäßen Kriterien unterliegt. Nein, entstanden ist vielmehr ein moralischer Kinofilm, der einen guten Menschen darstellt, der bewegt und die Zuschauer gebannt, ja fast ließe sich sagen, gefesselt auf ihren Sitzen zurücklässt. Der Film dringt tief, er berührt, die Zuschauer verlassen stumm den Saal und bleiben alleine mit ihrer Erschütterung, die im Gang über die letzte Stufe, hoch zum Galgen, an dem Bonhoeffer am Ende des Filmes erhängt wird, gipfelt.