Wer bin ich?
"Wer bin ich?" so lautet der Titel eines Gedichtes, das Dietrich Bonhoeffer 1944 im KZ verfasst und in einem Brief an seinen guten Freund Eberhard Bethge beilegt.
Wer bin ich? - Gedanken, die sich Bonhoeffer während seiner Inhaftierung macht. Gedanken, die auch im Film zur Geltung kommen.
Das Augenmerk des Filmes ruht auf Bonhoeffers Leben in der Haft. Wie bewältigt er die seelischen Qualen, wie hält er dem Schrecken stand, wie überlebt er, wie hält er ein Leben unter unwürdigen Bedingungen aus? Woher bekommt er seine Kraft? Woher bezieht er seine Stärke?
Bonhoeffer beschreibt in seinem Gedicht den Unterschied zu der Wahrnehmung der Menschen von außen zu seiner Selbstwahrnehmung. Die Menschen um ihn herum beobachten ihn als einen gefassten Menschen, der stolz und ruhig erscheint, gelassen und heiter. Der seine Zelle verlässt nicht wie ein Inhaftierter, der um sein Leben bangen muss, sondern wie einer, der sein Schloss verlässt, ein Gutsherr, der freundlich und frei sein Leben lebt.
Woher kommt diese unterschiedliche Wirkung? Die Wirkung nach außen, die so gar nicht zu seinem inneren Zustand passen will? Er selbst beschreibt sich in seinem Gedicht als unruhig, sehnsüchtig und krank. Wie ein Vogel im Käfig, der nach Lebensatem ringt, der nach Farben, nach Blumen und nach menschlicher Nähe hungert. Er ist ein Lebensmüder, der bereit ist Abschied zu nehmen.
Die Zerrissenheit einer Person, die Schwäche, die emotionalen Abgründe werden in dem Film auf besondere Art und Weise zur Geltung gebracht.